Spoken Word ist ein dehnbarer Begriff. Es umfasst alles von HipHop-ähnlichen Performances über Slam Poetry bis zu Schauspielern oder Autoren, die einen Text vortragen. Es wäre müssig, sich zu überlegen, wo die Wurzeln des Spoken Word liegen: Die einen werden sie bei den grossen Rednern der Antike oder beim „Speakers’ Corner“ in London sehen, die anderen im Vortragen von Gedichten über viele Epochen und Kulturen hinweg, die dritten bei den Performances von Burroughs, Ginsberg und Kerouac und anderen Exponenten der „Beat Generation“.
Was mich unter allen möglichen Ausprägungen besonders fasziniert, ist das pure Spoken Word: das Wort, das nur vorübergehend zu Papier gebracht wird, um danach ausgesprochen, einem Publikum vorgetragen zu werden.
Diese Faszination hat mehrere Gründe. Zum einen ist bei kurzen Texten, die zum Zweck des Vortragens festgehalten werden, die Bedeutung des Rhythmus viel grösser. Zum anderen müssen sie – wie ein Gedicht – etwas Komprimiertes, Abgerundetes sein, das aber trotzdem über sich hinausreicht. Der dritte Grund liegt auf der Hand: Das Unmittelbare. In der geschriebenen (literarischen) Sprache mit vergleichbarer Kürze, Komprimierung und Flexibilität heute das aufgreifen, was gestern oder sogar heute früh geschah? Da muss man fast zum Ausdrucksmittel des Bloggens greifen.
Spoken Word und Slam Poetry
Warum nun konzentriert sich „Salonpalaver“ auf Spoken Word ausserhalb der Slam Poetry? Poetry Slams sind eine Ausdrucksform, ohne die Spoken Word nie die Bedeutung erlangt hätte, die es heute hat. Ein Showdown auf der Bühne zwischen Wortakrobaten, die mit ihren so unterschiedlichen Auftritten das Publikum in ihren Bann ziehen; die Möglichkeit für das Publikum, unmittelbar zu reagieren und Feedback zu geben – Poetry Slams sind dazu prädestiniert, sich eine breite Anhängerschaft zu erobern.
Nun braucht es aber auch Bühnen, die dem gesprochen Wort mehr Zeit geben. Die es einzelnen Spoken-Word-Poeten ermöglichen, ihre Kunst vor dem Publikum gleichsam auszubreiten. Hier setzen Veranstaltungsreihen wie Salonpalaver an. Mit dieser Idee möchten wir im Januar 09 starten, wenn der goldene Salon in Winterthur zum ersten Mal zu einem Salon für das gesprochene Wort wird. Übrigens zum ersten Mal in dieser Form, aber nicht zum ersten Mal überhaupt: In den Salons der Villa Sträuli wurde und wird traditionsgemäss viel diskutiert und vorgetragen. Das ist aber genug Stoff für einen weiteren Blog-Eintrag…
Update: Salonpalaver hat zum jetzigen Zeitpunkt 52 Mini-Mäzene. Es ist noch viel zu tun!