Archiv für die Kategorie ‘Die Ideen dahinter’

Kulturmanagement-Blog über die Schwachstellen von online Fundraising-Kampagnen

Februar 3, 2009

Christian Henner-Fehr hat gestern eine sehr treffende Mini-Analyse auf seinem Blog veröffentlicht. Er erklärte, warum aus seiner Sicht reine online Fundraising-Kampagnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht funktionieren, und was man tun kann, um dies zu überbrücken.

Salonpalaver zog er als ein Beispiel heran. Falls wir jemals wieder online Fundraising betreiben müssen, werden wir uns an seine Ratschläge halten!

Interview im Kulturmanagement Blog

September 8, 2008

Heute gibt’s im Kulturmanagement Blog ein Interview mit mir zu lesen. Christian Henner-Fehr hat mir ein paar gute und kritische Fragen zu Salonpalaver und den 600 Mini-Mäzenen gestellt und bei mir viele Gedankenanstösse ausgelöst.

Salonpalaver in anderen Blogs
Nachtrag: Nebst dem Kulturmanagement Blog haben inzwischen einige Blogs über Salonpalaver berichtet oder es zumindest erwähnt:

> „Bodeständigi Choscht“:
Salonpalaver jenseits des Fördermainstreams (heute)

> rubikon:
Spokenword-Reihe in Winterthur (24. August)

> Tagebuch des Kulturministers Dominik Riedo, 342. Amtstag (21. Aug.)

Nachtrag: Die „Creative Zurich Initiative“ macht in ihrem Newsletter vom 10. September auf Salonpalaver aufmerksam.

Unsere Mini-Mäzenatinnen und Mini-Mäzene

September 7, 2008

Die Mini-Mäzene von Salonpalaver sind Pioniere: Oder hat man hierzulande schon mal Mini-Mäzene gesehen?

Die Mini-Mäzene von Salonpalaver sind mutig: Sie vertrauen uns blind, dass wir mit ihrem Geld ein tolles Projekt auf die Beine stellen. Dabei kennen uns nicht mal alle von ihnen persönlich.

Die Mini-Mäzene von Salonpalaver lieben das Wort: Das beweisen schon die oftmals poetischen Begründungen, die man auf der Website unter „Der Fortschritt“ nachlesen kann.

Übrigens: Die Mini-Mäzene von Salonpalaver sind überwiegend weiblich, also Mini-Mäzenatinnen: Exakt zwei Drittel machen sie momentan aus. Aber die Männer haben noch Zeit, diesen Rückstand aufzuholen! Schliesslich sind wir immer noch auf der Suche nach Mini-Mäzenen.

Erdgebundenes Palaver im eleganten Salon

September 1, 2008

Der Name „Salonpalaver“ war einer meiner ersten spontanen Einfälle, als ich vor ungefähr einem Jahr über eine Bezeichnung für die zukünftige Veranstaltungsreihe sinnierte. Die Wortkreation gefiel und gefällt mir:

- Weil der dreifache Vokal „a“ und der Rhythmus eingängig wirken.
- Wegen des Kontrasts: „Salon“ wird mit etwas Elegantem, Gehobenen assoziiert; „Palaver“ eher mit etwas Chaotischem, Lebendigem und Erdgebundenem.

Dass das Palaver in der Schweiz salonfähig ist, zeigt auch die Verwendung des Worts für andere kulturelle Veranstaltungen: Zum Beispiel die „Lange Nacht des Palavers“ in der Kunsthalle Bern. Und immerhin nannte Max Frisch eine seiner literarischen Arbeiten „Ein Palaver“ (Schweiz ohne Armee? Ein Palaver, Suhrkamp 1989).

Klassisches Fundraising oder Mini-Mäzene?

August 29, 2008

Als Kulturmanager denkt man automatisch an klassisches Fundraising, wenn man ein Projekt auf die Beine stellen will. Diesen Reflex hatte auch ich, als ich begann, mich eingehender mit Salonpalaver auseinanderzusetzen.

Ich hatte bereits einige Gesuche um Unterstützung und Sponsoringanfragen eingereicht und, wie zu erwarten, zuerst einmal Absagen erhalten. Diese Absagen halfen mir dabei, die Schwächen von Salonpalaver (in den Augen potentieller Finanzpartner) genauer zu erkennen:

1) Salonpalaver lässt sich schwer einer einzigen Kultursparte – und damit einer „Unterstützungskategorie“ – zuordnen: Spoken Word ist ein wenig mit der Literatur und ein wenig mit der Bühnenkunst verwandt. Viele Förderer verlangen aber, dass jedes Projekt, das sie unterstützen, klar unter eine Sparte fällt.

2) Spoken Word als Kunstform ist in der Schweiz noch nicht sehr bekannt. Erst seit kurzem sind die Poetry Slams ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gedrungen, und jetzt soll man sich wieder mit einer anderen Präsentationsform befassen, die zwar mit den Poetry Slams verwandt ist, aber trotzdem etwas anderes ist. Kultur(sponsoring)verantwortliche müssen oft Allrounder sein. Da ist es nur natürlich, dass für sie Spoken Word noch nicht ganz greifbar ist.

3) Die Villa Sträuli, die dem Projekt Salonpalaver ihre Salons unentgeltlich zur Verfügung stellt, wird durch eine private Stiftung unterstützt. Salonpalaver ist die erste Veranstaltungsreihe von Fremdveranstaltern, die „offiziell“ in den Räumen der Villa Sträuli stattfindet. Auch wenn wir uns Mühe geben, dies zu vermeiden: Potentielle Finanzpartner scheinen den Eindruck zu haben, das Projekt werde von der Villa Sträuli finanziert und durchgeführt.

Es lag also auf der Hand, sich nach einem anderen Ansatz umzusehen, um Salonpalaver zumindest für ein Jahr durchführen zu können. Gelingt dies, dann sollte es einfacher sein, für das nachfolgende Jahr grössere Finanzpartner (Kulturförderung, Sponsoren) zu finden.

Das Modell, online 600 Mini-Mäzene zu finden, klingt logisch, wenn man sich die diesbezüglichen Stärken von Salonpalaver vor Augen führt:

1) Die Spoken-Word-Szene ist im Internet besser vernetzt als die meisten anderen Kultursparten und tauscht sich via Social Networks, Blogs etc. aus.

2) Das Prinzip von Salonpalaver ist einfach: Ein Salon, eine Moderatorin (Tania Kummer), zahlreiche Spoken Word Poeten. Alle, die sich für Spoken Word interessieren, können sich gut etwas darunter vorstellen und vielleicht auch, selbst mal daran teilzunehmen.

3) Der Bonus des relativ Neuen. Klar, es gibt Vorbilder aus anderen Bereichen: 1 Million Pixel, One thousand paintings etc. Es gab und gibt auch diverse Online-Spendensammlungen für Kulturelles. Bisher wurde aber (meines Wissens) in der Schweiz noch nicht oft die vollständige Finanzierung eines vergleichbaren Projekts durch eine ähnliche Aktion angestrebt.

Ob diese Vorteile reichen, um die 600 Mini-Mäzenatinnen und –Mäzene zu gewinnen, wird sich zeigen. Natürlich hängt es auch von der Arbeit unseres kleinen Salonpalaver-Teams ab. Noch stehen wir am Anfang; die Kommunikationswege sind noch längst ausgereizt.

Gesprochen, nicht gelesen

August 26, 2008

Spoken Word ist ein dehnbarer Begriff. Es umfasst alles von HipHop-ähnlichen Performances über Slam Poetry bis zu Schauspielern oder Autoren, die einen Text vortragen. Es wäre müssig, sich zu überlegen, wo die Wurzeln des Spoken Word liegen: Die einen werden sie bei den grossen Rednern der Antike oder beim „Speakers’ Corner“ in London sehen, die anderen im Vortragen von Gedichten über viele Epochen und Kulturen hinweg, die dritten bei den Performances von Burroughs, Ginsberg und Kerouac und anderen Exponenten der „Beat Generation“.

Was mich unter allen möglichen Ausprägungen besonders fasziniert, ist das pure Spoken Word: das Wort, das nur vorübergehend zu Papier gebracht wird, um danach ausgesprochen, einem Publikum vorgetragen zu werden.

Diese Faszination hat mehrere Gründe. Zum einen ist bei kurzen Texten, die zum Zweck des Vortragens festgehalten werden, die Bedeutung des Rhythmus viel grösser. Zum anderen müssen sie – wie ein Gedicht – etwas Komprimiertes, Abgerundetes sein, das aber trotzdem über sich hinausreicht. Der dritte Grund liegt auf der Hand: Das Unmittelbare. In der geschriebenen (literarischen) Sprache mit vergleichbarer Kürze, Komprimierung und Flexibilität heute das aufgreifen, was gestern oder sogar heute früh geschah? Da muss man fast zum Ausdrucksmittel des Bloggens greifen.

Spoken Word und Slam Poetry

Warum nun konzentriert sich „Salonpalaver“ auf Spoken Word ausserhalb der Slam Poetry? Poetry Slams sind eine Ausdrucksform, ohne die Spoken Word nie die Bedeutung erlangt hätte, die es heute hat. Ein Showdown auf der Bühne zwischen Wortakrobaten, die mit ihren so unterschiedlichen Auftritten das Publikum in ihren Bann ziehen; die Möglichkeit für das Publikum, unmittelbar zu reagieren und Feedback zu geben – Poetry Slams sind dazu prädestiniert, sich eine breite Anhängerschaft zu erobern.

Nun braucht es aber auch Bühnen, die dem gesprochen Wort mehr Zeit geben. Die es einzelnen Spoken-Word-Poeten ermöglichen, ihre Kunst vor dem Publikum gleichsam auszubreiten. Hier setzen Veranstaltungsreihen wie Salonpalaver an. Mit dieser Idee möchten wir im Januar 09 starten, wenn der goldene Salon in Winterthur zum ersten Mal zu einem Salon für das gesprochene Wort wird. Übrigens zum ersten Mal in dieser Form, aber nicht zum ersten Mal überhaupt: In den Salons der Villa Sträuli wurde und wird traditionsgemäss viel diskutiert und vorgetragen. Das ist aber genug Stoff für einen weiteren Blog-Eintrag…

Update: Salonpalaver hat zum jetzigen Zeitpunkt 52 Mini-Mäzene. Es ist noch viel zu tun!