Klassisches Fundraising oder Mini-Mäzene?

By salonpalaver

Als Kulturmanager denkt man automatisch an klassisches Fundraising, wenn man ein Projekt auf die Beine stellen will. Diesen Reflex hatte auch ich, als ich begann, mich eingehender mit Salonpalaver auseinanderzusetzen.

Ich hatte bereits einige Gesuche um Unterstützung und Sponsoringanfragen eingereicht und, wie zu erwarten, zuerst einmal Absagen erhalten. Diese Absagen halfen mir dabei, die Schwächen von Salonpalaver (in den Augen potentieller Finanzpartner) genauer zu erkennen:

1) Salonpalaver lässt sich schwer einer einzigen Kultursparte – und damit einer „Unterstützungskategorie“ – zuordnen: Spoken Word ist ein wenig mit der Literatur und ein wenig mit der Bühnenkunst verwandt. Viele Förderer verlangen aber, dass jedes Projekt, das sie unterstützen, klar unter eine Sparte fällt.

2) Spoken Word als Kunstform ist in der Schweiz noch nicht sehr bekannt. Erst seit kurzem sind die Poetry Slams ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gedrungen, und jetzt soll man sich wieder mit einer anderen Präsentationsform befassen, die zwar mit den Poetry Slams verwandt ist, aber trotzdem etwas anderes ist. Kultur(sponsoring)verantwortliche müssen oft Allrounder sein. Da ist es nur natürlich, dass für sie Spoken Word noch nicht ganz greifbar ist.

3) Die Villa Sträuli, die dem Projekt Salonpalaver ihre Salons unentgeltlich zur Verfügung stellt, wird durch eine private Stiftung unterstützt. Salonpalaver ist die erste Veranstaltungsreihe von Fremdveranstaltern, die „offiziell“ in den Räumen der Villa Sträuli stattfindet. Auch wenn wir uns Mühe geben, dies zu vermeiden: Potentielle Finanzpartner scheinen den Eindruck zu haben, das Projekt werde von der Villa Sträuli finanziert und durchgeführt.

Es lag also auf der Hand, sich nach einem anderen Ansatz umzusehen, um Salonpalaver zumindest für ein Jahr durchführen zu können. Gelingt dies, dann sollte es einfacher sein, für das nachfolgende Jahr grössere Finanzpartner (Kulturförderung, Sponsoren) zu finden.

Das Modell, online 600 Mini-Mäzene zu finden, klingt logisch, wenn man sich die diesbezüglichen Stärken von Salonpalaver vor Augen führt:

1) Die Spoken-Word-Szene ist im Internet besser vernetzt als die meisten anderen Kultursparten und tauscht sich via Social Networks, Blogs etc. aus.

2) Das Prinzip von Salonpalaver ist einfach: Ein Salon, eine Moderatorin (Tania Kummer), zahlreiche Spoken Word Poeten. Alle, die sich für Spoken Word interessieren, können sich gut etwas darunter vorstellen und vielleicht auch, selbst mal daran teilzunehmen.

3) Der Bonus des relativ Neuen. Klar, es gibt Vorbilder aus anderen Bereichen: 1 Million Pixel, One thousand paintings etc. Es gab und gibt auch diverse Online-Spendensammlungen für Kulturelles. Bisher wurde aber (meines Wissens) in der Schweiz noch nicht oft die vollständige Finanzierung eines vergleichbaren Projekts durch eine ähnliche Aktion angestrebt.

Ob diese Vorteile reichen, um die 600 Mini-Mäzenatinnen und –Mäzene zu gewinnen, wird sich zeigen. Natürlich hängt es auch von der Arbeit unseres kleinen Salonpalaver-Teams ab. Noch stehen wir am Anfang; die Kommunikationswege sind noch längst ausgereizt.

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Eine Antwort zu „Klassisches Fundraising oder Mini-Mäzene?“

  1. textworker - Jeder ein bisschen Mäzen sagt:

    [...] Einträge versammelt sind. Interessant ist vor allem die Auslegung der Gedanken zum Projekt, 600 Mini-Mäzene zu [...]

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